Die Jury hat entschieden. Die 5 Gewinner stehen fest. Gratulation!
Hier könnt Ihr noch einmal alle Texte lesen.
Wir stehen draußen und ein Flugzeug fliegt Richtung Südvorstadt über unsere Köpfe hinweg. An seinem Heck hängt ein großes Banner: “Wählt NPD!” Wir alle schauen betreten hinterher, Lukas reckt die Faust nach oben, so als könnte er damit etwas ausrichten. Wir horchen in die Betriebsamkeit des Vormittags, die immerzu von vorbeirollenden LKWs durchschnitten wird und warten auf die dunklen und dumpfen Schläge der Connewitzer Stadtteils-FlaK, die sich hoffentlich und pflichtbewusst darum kümmern wird.
Wir sitzen zusammengepfercht in der kleinen Küche, die Party bleibt draußen, wir rauchen oder nicht und versuchen uns näher zu kommen, um uns von der peinlichen Stille zu entfernen. Jörg redet über Marx und Markuse, dann aber bemerkt er ein Mädchen im Flur, das ungelenk weil völlig besoffen Richtung Toilette taumelt, sich in den Slip greift und prüft, ob es sich noch beeilen muss. Dann folgt er ihm langsam. Gelangweilt schaue ich dem Mädchen nach. Naja, denk ich, Hauptsache sie zitiert Adorno.
Es passiert nichts in diesen Gefilden. Leipzig ist kein Hamburg, wo man bei einem kurzen Ausflug auf die Reeperbahn sofort zusammengeschlagen, ausgeraubt und vergewaltigt wird, kein Berlin, in dem sie einem das Koks am U-Bahnhof hinterher werfen und man die Emos mit großer Akribie an den Fuß der Prenzlauer Berge hin verbannt hat – sondern eben die hippste Stadt des Ostens, ein Satz, der an sich schon zu hinken scheint wie eine gerade frisch an der Hüfte operierte Frau.
Plötzlich fallen im Seminar die Zauberworte: jemand sagt „Adorno“ und „Kritische Theorie” in einem Satz. Ein anerkennendes Raunen erfüllt den Raum. Man lehnt sich mit Zufriedenheit zurück, begleitet von kollektivem Nicken. Eigentlich könnte man hier das Seminar beenden. Alles ist gesagt. Ein paar Erziehungswissenschaftler verfallen sofort in ehrfürchtige Trance. Andächtige Stille. Danach verteilt die Seminarleiterin Stück Knete, damit wir unsere Gedanken "in Form bringen" können.
Einige Jungs outen sich bei der Heimfahrt von der Schule als blanke Vollidioten. Sie reden, als würde ihnen die Krankenkasse keinen Besuch beim Logopäden finanzieren wollen. Sie ziehen sich an, als wären sie früher dreimal so breit einem gewesen. Dazu fassen sie sich ständig in den Schritt, faseln von fetten, Pferde fistenden Vätern, mental maroden, meskalinmaltretierten Müttern und packen sich beim Aussteigen derart auf die Fresse, dass es fast schon wie gekonnt, wie Breakdance aussieht. Schön.